

Das zu mir gehörende Ennea-Muster DREI erkannte ich vor vielen Jahren im Kontext einer Weiterbildung mit Hilfe eines Testes auf Anhieb. Das damit verbundene Körpergefühl erinnere ich noch heute. Vielleicht ist es typisch für Menschen wie mich, dass es viele weitere Jahre brauchte (bei meiner Zählung 14), bis mich etwas offenbar öffnete, und das Enneagramm mich mit seinem Geist und seinen spirituellen Dimensionen erreichen und erfassen konnte.
Während all dieser Jahre war ich nämlich fest und blind davon überzeugt gewesen, wirklich Wichtigeres in meinem Leben zu tun zu haben, als mich um das Enneagramm zu kümmern: nämlich meiner Arbeit nachzugehen, das Unternehmen, mit dem ich mich stark identifiziert hatte, zu organisieren und Strukturen zu optimieren, um seine Erfolge zu sichern. Mich begleitete die Überzeugung, den Mitarbeitenden menschlich nah zu sein, ihnen vertrauensvoll und fachlich zur Seite zu stehen, und ich war beliebt. Das alles hatte für mich gezählt.
Die Arbeit, die beruflichen Herausforderungen und die damit verbundenen Beziehungen waren stets das Wichtigste und bekamen natürlich auf meiner Prioritätenliste immer den Vorzug. Beziehungen in meinen Familien, zu Freunden, meinem Mann und eigene Bedürfnisse ordnete ich diesen stets wie selbstverständlich unter. Sie waren ohnehin bereits auf das nötigste Mindestmaß reduziert. Ohne Frage war klar für mich, dass ich meine persönlichen Bedürfnisse, zumal ich mich in verantwortungsvoller, leitender Stellung befand, regelmäßig zurückzustecken hatte. Wie sollte es denn auch anders gehen?
Zu meinen Aufgaben gehörten auch repräsentative Aktivitäten an Sonn- und Feiertagen und somit die notwendige Ausrüstung in meinen Kleiderschrank: Sportlich chic und immer passend zu jedem Anlass kombiniert, bewies ich mit der Wahl meines Outfits nicht nur Geschmack, sondern auch meine berufliche Kompetenz, unterstrich mein Image und sicherte somit das Spielen meiner erfolgreichen Rolle.
All mein Tun und Handeln wurde genährt und motiviert von der tiefen Überzeugung, dass die Dinge in meinen Händen liegen und mich brauchen, es auf mein Geschick ankommt, dass die Menschen auf mich warten, von mir erwarten, dass es getan wird und ich mich nur (immer noch etwas) mehr engagieren muss, damit es gelingt.
Der ‚Stopp’ erfolgte auf dem ‚Höhepunkt’ meiner beruflichen Karriere. Ich verlor die Arbeit. (Zwar hatte ich geraume Zeit vorher irgendwie tief in mir gespürt, dass sich irgendetwas in mir veränderte und nicht mehr passte, war dem aber nicht gefolgt).
Zeitgleich mit meiner Arbeitslosigkeit startete die Weiterbildung zum/zur Enneagrammlehrer/in, und sie sollte nicht zufällig zum Beginn einer Lebensphase werden, deren Bedeutung und Qualität ich heute immer noch nicht wirklich ermessen und fassen kann: Ich sollte mich gründlich in und mit meinem vorherigen Leben getäuscht haben!
Was es vorher gar nicht gab: Plötzlich hatte ich Zeit und eine offene, absichtslose Situation, die ich – richtungslos - nicht mehr im Griff hatte. Ich lernte Menschen kennen, die sich, ähnlich wie ich, auf einer Suche befanden und bereit und willig waren, Wahrhaftigkeit in zwischenmenschlicher Gemeinschaft und Beziehung zu üben. Von unschätzbarem Wert war dabei das gemeinsame und vielsprachige Studieren der Texte von Martin Buber (Ich und Du).
Liebevoll ermutigt und begleitet von unseren Lehrern Wilfried Reifarth und Barbara Stiels keimte in mir die Ahnung, dass gerade diese Zeit ihren tieferen Sinn für mich birgt und ihre Chance beinhaltet. Immer häufiger gelang es mir mit Hilfe der enneagrammatischen Einsichten beispielsweise, den Versuch aufzugeben, jede Lage immer selbst meistern zu müssen. In dem Maße, in dem ich mehr und mehr loslassen und begreifen konnte, dass nicht ich es bin, die wirklich steuert und nicht ich die Kontrolle über alles habe, lernte ich, weitere Kontroll- und Schutzmechanismen aufzugeben und mich mehr und mehr meiner Höheren Macht zu überlassen und ihr meinen Eigenwillen anzuvertrauen.
Es wuchs allmählich die Einsicht, dass etwas Neues in mein Leben getreten war, dass ich bereit und willig war, verändert zu werden. Mir wurde deutlich, dass diese Entwicklung nicht von mir ausgelöst worden war, dass ich es dieses Mal nicht machte. Ich hatte lediglich gelernt, meine getriebene Geschäftigkeit loszulassen und zu gehorchen (zuzuhören, hinzuhören). Diese Erfahrung zog sich bis in die neue Arbeit, die auf mich zukam und bis in die Beratungen, in denen ich mir anvertrauten Menschen wahrhaftig begegnen konnte und kann.
Die tiefe Gemeinschaft in der Weiterbildungsgruppe bestärkte mich immer wieder, mir selbst und Anderen mit aller Verletzlichkeit, Begrenztheit und Unvollkommenheit aufrichtig zu begegnen. Die Erfahrung, dass gerade im (Mit-)Teilen unserer persönlichen Not eine Kraft spürbar wird, die größer ist als wir selbst, hat mein Leben verändert und begleitet mich seit dem.
Überhaupt stellte die Einbeziehung und Adaptation der 12 Schritte der Anonymen Alkoholiker in unsere Lerngemeinschaft für mich eine wesentliche Bereicherung dar, die mich nicht mehr loslässt, so, als würden sie meinen Blick im Leben klären.
Heute macht es mir Freude und es erfüllt mich, mir selbst und anderen Menschen wahrhaftig zu begegnen: Sie sind keine Störfaktoren mehr bei der Bewältigung meiner Aufgaben und meiner Zielerreichung. Im Gegenteil: Deutlicher als früher pflege ich Beziehungen und bin jedes Mal gespannt und überrascht, was sich ergeben und entwickeln kann, wenn ich loslasse, zuhöre, mich offenbare und Aufrichtigkeit übe.
War ich in meinem Leben vor der Weiterbildung überzeugt zu wissen, wie es geht und worauf es ankommt, so weiß ich jetzt, was Leben wirklich meint.
Alles hat seine Zeit und alles wirkliche Leben ist Begegnung.
Dankbar bin ich unendlich.
DEZ
Deutsches Enneagramm Zentrum GmbH
Kiefernweg 7
38855 Wernigerode
Tel.: 03943 / 557 57 85
Fax: 03943 / 557 57 87
kontakt[a]d-e-z.eu
Kontakt mit uns
Bitte zögern Sie nicht, mit uns telefonisch, per E-Mail oder Fax Kontakt aufzunehmen, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben. Wir werden Ihnen schnellstmöglich antworten.
Sollten Sie z.B. Interesse an Einführungsveranstaltungen, Inhouse-Angeboten oder Team-Beratungen unter enneagrammatischer Perspektive haben, werden wir gerne mit Ihnen gemeinsam passgenaue Lösungen entwickeln und verabreden.
Ihre DEZ-Gesellschafter
Kontakt >>