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Hallo, ich bin Audrey, ein Mensch des Musters EINS

„Die Erinnerung an Vergangenes ist wie ein Wurm, der nicht stirbt. Ob er weiterwächst, indem er an unseren Herzen frisst oder ob er sich in ein strahlend buntgeflügeltes Geschöpf verwandelt, hängt davon ab, ob wir eine Vergebung finden, die wir uns nicht selbst gewähren können.“ (Dominic Maruca)


Die Zeit meiner Ausbildung zur Enneagrammlehrerin war für mich eine der bedeutsamen Zeiten in meinem Leben. Begonnen hat alles mit der größten Krise meines Lebens und der Feststellung, dass ich - bei aller Ordnung und Struktur, bei allem Wissen und aller Verbesserung meiner Fähigkeiten - auf Sand gebaut hatte. Das war für mich als Mensch des Musters EINS eine fast unerträgliche Demütigung. Das Enneagramm hatte mich schon viele Jahre begleitet, doch in dieser Zeit hat es meine Seele berührt – meine Krise hat mich in einer Weise durchlässig gemacht, wie ich es mir vorher niemals gestattet hätte.

Ich werde nie vergessen, wie ich Dezember 2004 als ziemlich unscheinbarer und verwickelter „Wurm“ in Eisenach und in der Lern-Gemeinschaft angekommen bin. Als ich mich zur Weiterbildung angemeldet hatte, schien mein Leben äußerlich noch in Ordnung zu sein. Beruflich immer erfolgreich, diszipliniert und engagiert, verlief mein privates Leben nach anderen Gesichtspunkten. Im Oktober 2004 musste ich sehr schmerzvoll erkennen, dass das Chaos in meinem privaten Leben nicht mehr zu verbergen war, und ich der Wahrheit nicht länger ausweichen konnte. Es begann ein - immer noch andauernder - schmerzvoller Weg, der mir aber ermöglicht, einen Zugang zu meinen Gefühlen und Empfindungen zu haben und diese als etwas anzunehmen, was nicht bekämpft und ausgelöscht werden muss.

Im Juni 2007 habe ich - zwar immer noch mit einem „Wurmfortsatz bekleidet“ - die Ausbildung als „buntgeflügeltes Geschöpf“ beendet. Die Enneagramm-Idee ist mittlerweile zum integralen Bestandteil meiner Selbst- und Weltwahrnehmung geworden. Mein besonderer Dank gilt meinen beiden Lehrern Barbara Stiels und Wilfried Reifarth und den Männern und Frauen der Ausbildungsgruppe, die mich angenommen haben, so wie ich bin: vollkommen in der Unvollkommenheit.

Die IEA-Standards waren das Fundament, das ich zusammen mit den Ausbildungsunterlagen erhalten habe. Sie haben mir (typisch für mein Muster) einen Halt in Form von Regeln und eine Ahnung einer dahinter stehenden Ordnung vermittelt.

Beim Studium der Texte von Martin Buber haben sich mir die Dimensionen von Begegnung und Beziehung in Ansätzen erschlossen. Dies ist ein Feld, in dem ich meine tiefe Verunsicherung im Umgang mit anderen Menschen und die Sehnsucht, wahrhaftige Beziehungen zu leben, gespürt habe. Insbesondere die Idee des „großen Du“ hat mich getroffen und erreicht.

Mein Weg zu den 12 Schritten und den 12 Traditionen der Anonymen Alkoholiker war ein Weg durch die Hölle. Ich musste erkennen, dass ich mein Leben nicht mehr meistern konnte. Meine Co-Abhängigkeit und Beziehungssucht ließen sich nicht mehr mit meinen mustertypischen Mitteln „beherrschen“. Gefunden habe ich etwas, von dem ich spüre und weiß, dass es größer ist als ich selbst. Dieses Größere gibt mir Halt und Hoffnung.

Die Verbindung der Arbeit in den Zwölf Schritten mit der Entwicklungsarbeit in meinem Ennea-Muster ist für mich sehr nahe liegend: Genesung von der Sucht und die Integration des „eigenen Schattens“ im Ennea-Muster sind eine wesensverwandte Arbeit – beides gelingt nur „durch Willen und Gnade in einem“ (Martin Buber). Bis zum heutigen Tag sind sowohl die Zwölf Schritte als auch deren Adaptation für die Enneagramm-Arbeit mein täglicher Begleiter im Alltag. (Diese Anpassung der Philosophie der Alcoholics Anonymous für unsere Zwecke war Thema meiner Abschlussarbeit – ebenso die Adaptation und Durchführung von Meetings als ein Weg intensiver enneagrammatischer Selbst-Arbeit auf freiwilliger Basis).

Die Erfahrung, dass ich in einer Gemeinschaft von Männern und Frauen Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen kann, hilft mir, meine mustertypischen Verzerrungen unverhüllt anzuschauen und mit mir und Anderen ganz langsam meinen Frieden zu finden. Mich anzustrengen und Dinge auszuhalten, sind vertraute Mechanismen und nur schwer zu ändern. Der Weg zur „Leichtigkeit des Seins“ liegt vor mir, und ich beginne, ihn mit unsicheren Schritten zu gehen.

Also, es geht weiter. Mein Motto: „Don’t worry, be happy!“

- Audrey -

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